
Ein Auftakt voller Witz, Tiefe und Begegnung
Am 12. Juli 2026 öffnete das Alte Pfandhaus in Köln seine Türen für einen Abend, der zugleich Auftakt und Zusammenkommen war: „Betzavta – Miteinander an der Bar“ bildete den Startschuss für eine neue Etappe des Projekts „Betzavta! Miteinander leben, lernen und gestalten“ des Integrationshaus e.V. – in Kooperation mit o[s]tklick tresentalks und der Weltmusik, Klezmer und Ästhetik Akademie Integrations- und Begegnungszentrum e.V.
Von Beginn an war spürbar, dass hier mehr entstehen sollte als eine einzelne Veranstaltung: ein Ort, an dem Menschen unterschiedlicher Herkunft, Generation und Perspektive tatsächlich miteinander ins Gespräch kommen – so, wie es die Reihe o[s]tklick tresentalks seit jeher verfolgt, indem sie politische Bildung dorthin trägt, wo das Leben stattfindet: in Bars, Cafés, an Theken.
Jüdischer Humor als Überlebensstrategie
Im Zentrum des Abends stand ein Live-Podcast mit drei jüdischen Stimmen aus der Ukraine, Belarus und Usbekistan: Yuriy Krotov, Hanna Veiler und Katja Garmasch sprachen über jüdischen Humor – als kulturelles Erbe, als Überlebensstrategie und als Form des Widerstands. Ausgehend von der bitteren Tradition des sowjetischen Witzes, in dem jede ethnische Gruppe ihren zugeschriebenen „Makel“ trug und dem jüdischen Menschen reflexhaft alle Übel zugeschrieben wurden, entfaltete sich ein Gespräch, das lachen und nachdenken zugleich möglich machte. Der Abend bewies eindrücklich: Humor kann Schmerz nicht auslöschen, aber er kann ihn tragbar machen – und er kann verbinden, wo Sprache allein an ihre Grenzen stößt.
Zwischen den Lachern blieb auch Raum für kritische Töne zur Gegenwart: Fragen nach Zugehörigkeit, nach dem Umgang mit Antisemitismus heute, nach den Bruchlinien einer Gesellschaft, die sich als vielfältig versteht, es aber nicht immer einlöst. Genau in dieser Spannung – zwischen Optimismus und wacher Zeitdiagnose – lag die besondere Kraft des Abends.

Bilder, die bleiben
Begleitet wurde der Podcast von der Fotoausstellung „Köln – meine Wahlheimat“ des ukrainisch-jüdischen Fotografen Anatoliy Stepanko. Mit großer emotionaler Tiefe und ästhetischer Präzision zeigte er seinen Blick auf Köln und die Menschen, die die Stadt zu ihrer Heimat gemacht haben. Die Ausstellung war schon ab 16 Uhr zu sehen und lud die Gäste ein, sich vor dem Podcast auf den Abend einzustimmen.

Buffet, Austausch und Klezmer-Klänge
Im Anschluss an das Gespräch nutzten die Gäste bei Buffet und Getränken die Gelegenheit zum persönlichen Austausch – ein Moment, in dem aus Zuhörenden wieder Miteinander-Sprechende wurden. Den Abschluss bildete ein Live-Auftritt der Klezmer Akademie, deren Musik dem Abend einen warmen, feierlichen Ausklang verlieh und noch einmal unterstrich, wie eng Freude und kulturelles Erbe an diesem Abend zusammengehörten.

Ein Abend als Zeichen
„Betzavta – Miteinander an der Bar“ war weit mehr als ein Podcast-Abend: Er war ein bewusst gesetztes Zeichen für Dialog, Demokratie und Zusammenhalt in einer vielfältigen Gesellschaft – getragen von Freude und Leichtigkeit, aber ohne die kritischen Fragen an die Gegenwart auszusparen. Elizaveta Khan und Igor Epstein sowie das gesamte Team des Integrationshaus e.V. dankten allen Kooperationspartnern – o[s]tklick tresentalks und der Weltmusik, Klezmer und Ästhetik Akademie Integrations- und Begegnungszentrum e.V. – sowie allen Gästen für einen gelungenen Auftakt.
Die Mitschnitte des Live-Podcasts werden im Rahmen der Reihe o[s]tklick tresentalks als Podcast veröffentlicht und tragen die Gespräche des Abends über den 12. Juli hinaus weiter.
Projekt Betzavta! Miteinander leben, lernen und gestalten. Ein Projekt für Dialog, Demokratie und Zusammenhalt in einer vielfältigen Gesellschaft.
Integrationshaus e.V. in Kooperation mit der Weltmusik, Klezmer und Ästhetik Akademie Integrations- und Begegnungszentrum e.V. sowie o[s]tklick tresentalks